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Europa lebt! Dies weiß man in der Region Der Selfkant nicht erst seit der Grenzöffnung im Zuge des Schengen-Abkommens, in dem 1985 der Verzicht auf Personenkontrollen beim innereuropäischen Grenzübertritt besiegelt wurde. Die traditionell gutnachbarlichen Beziehungen der Selfkant-Region zu seinen westlichen Nachbarn wurden am 27. März 2009 jedoch einmal mehr auf eine noch breitere Basis gestellt. Die Bürgermeister Dieudonné Akkermans aus Echt-Susteren, Herbert Corsten aus Selfkant, Johannes v. Helden aus Waldfeucht und die Beigeordnete der belgischen Stadt Maaseik, Frau Mariette Mulders-Janssen, unterzeichneten im Rathaus Echt das Abkommen zur gegenseitigen Hilfe bei Bränden und Unglücksfällen. Abordnungen der jeweiligen kommunalen Feuerwehren mit ihren Wehrleitern und Mitarbeiter der Verwaltungen wohnten der Zeremonie bei.
Verbrüderung der Grenzkommunen untereinander
D.Akkermans stellte in seiner Ansprache im Foyer des modernen Echter Rathauses die Besonderheit dieses Abkommens heraus. „Die Unterzeichnung mancher Verträge zwischen Staaten von globaler Bedeutung, eindrucksvoll in den Medien dargestellt, führt mich zu dem Schluss: Ein guter Nachbar ist oft wertvoller als ein weit entfernter Freund. Das Zustandekommen dieser Vereinbarung bedeutet für mich auch eine Art der Verbrüderung meiner Grenznachbarn untereinander, und dies nicht nur die Hilfe bei Notfällen betreffend“, so Akkermans, der weiter betonte, dass es mit der Vertragsunterzeichnung alleine nicht belassen bleiben könne. „Die Zusammenarbeit der Feuerwehren untereinander muss auf einer persönlichen Ebene fußen, denn die Kommunikation von Angesicht zu Angesicht ist unabdingbar für das Gelingen eines solchen Projekts. Gemeinsame Aktionen und Übungen seien nicht zuletzt des besseren Kennenlernens wegen Bestandteil des Abkommens. „Die kürzeste Verbindung zwischen Menschen ist immer der Blick in die Augen, der den Weg zum Herzen findet. Eine Beziehung auf dieser Grundlage prickelt und lebt“, so Akkermans weiter und wählte seine Worte so, dass sich die Zuhörer an eine Eheschließung erinnert fühlen mussten. Akkermans dankte allen Verantwortlichen für die geleistete Arbeit zum Entstehen dieses wichtigen Projektes und wünschte allen Beteiligten eine lebendige Entwicklung dieser Zusammenarbeit. Den Bürgermeistern und der Abgeordneten überreichte er als Erinnerung an die neue Verbindung eine Schlauchkupplung auf einen Marmorsockel mit Gravur. Abschließend erfolgte die Unterzeichnung der Verträge.
Zum inoffiziellen Teil des Tages trafen sich dann alle beteiligten Feuerwehrleute in der Brandweerkazerne Echt, um Kontakte zu knüpfen, zu fachsimpeln und das frisch gepflanzte Pflänzchen der Freundschaft ordentlich „anzugießen.“
Schlauchleitung verbunden durch drei unterschiedliche Kuppelsysteme
Im Vorfeld der Unterzeichnung zeigten die Feuerwehren aus Maaseik, Echt-Susteren, Haaren und Höngen-Saeffelen, dass sich über vier Tanklöschfahrzeuge mit Hilfe eigens angefertigter Verbindungskupplungen auch eine aus drei unterschiedlichen Systemen bestehende Schlauchleitung herstellen lässt. Je zwei deutsche, niederländische und belgische Feuerwehrleute spritzen dann mit ihren Strahlrohren auf ein Zielfeuer, wo sich nach Erreichen des erforderlichen Wasserstands eine Grenzschranke symbolisch öffnete. Dass das Zielfeuer von den heran schießenden Wassermassen umgerissen wurde, kann sicherlich als Beleg der Schlagkraft und Einsatzfreude der neuen Gemeinschaft gewertet werden.
Die Löscheinheit Höngen-Saeffelen wurde vertreten von Einheitsführer Gregor Küsters, seinen Stellvertretern Stephan Smeets und Dirk Schwartzmanns sowie Lutz Rösseler, Andreas Conen und Bernd Douven. Selfkants Wehrleiter Ralf Herbertz und Stellvertreter Michael Büskens zeigten sich sehr zufrieden über die gute Zusammenarbeit.
Interregionales Laboratorium nützt den Bürgern
Euromosa, eine Art von Laboratorium für vielfältige interregionale Zusammenarbeit, versucht, zum Wohl der Bürger die Grenzen der staatenübergreifenden Zusammenarbeit auszuloten und das Machbare zu realisieren. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse können anderen Grenzregionen bei ihren Projekten als Beispiel dienen.
Die Idee der gegenseitigen nachbarlichen Hilfeleistung entstand jedoch schon zu Zeiten weit vor der Gründung des Kooperationsverbunds. Bereits am 10. Oktober 1970 probten über 400 Feuerwehrleute aus belgisch- und niederländisch Limburg und aus der Gemeinde Selfkant im Rahmen der Großübung „Bottleneck“ die Wasserführung über lange Wegstrecken. Dabei wurde die Maas bei Illikoven angezapft und das Wasser mit Hilfe vieler Pumpstationen über mehr als neun Kilometer in den Selfkant gefördert. Der Chronik der freiwilligen Feuerwehr Höngen ist zu entnehmen, dass dabei Fernstraßen und Bahntrassen und sogar der Julianakanal überwunden werden mussten. Der fehlenden Kompatibilität der unterschiedlichen Schlauchkupplungen begegnete man damals, indem man zwischen die unterschiedlichen Systeme ca. 300 Liter fassende Zwischenbehälter schaltete.
Bereits 1999 wurde formell die Zusammenarbeit der Feuerwehr Selfkant mit der niederländischen Grenzstadt Sittard geregelt und im Jahr 2006 folgte die Kooperationsvereinbarung zwischen den Gemeinden Selfkant und der niederländischen Kommune Schinnen.
Die Gemeinde Waldfeucht verfährt ebenfalls bereits seit Jahren nach dem Prinzip der Nachbarschaftshilfe, schuf jedoch nun auf der Basis von Euromosa auch die rechtlich abgesicherte Grundlage dafür. Die Wehren beider deutschen Gemeinden waren in der Vergangenheit bereits mehrfach bei Großbränden jenseits der Grenze im Einsatz. Alleine in 2007 unterstützte die Selfkanter Feuerwehr die Sittarder Kollegen bei drei Großbränden im dortigen Industriegebiet. Bereits Im Jahr 1977 war die Feuerwehr Sittard mit großem Material in Tüddern beim Großbrand eines Gewerbebetriebs im Einsatz. Die Feuerwehrchronik Sittard wiederum berichtet von einer Feuersbrunst im Jahr 1869, die 9 Häuser mitsamt der Stallungen vernichtete und von Löschmannschaften aus Höngen und Tüddern mit ihren Spritzen bekämpft wurde.
Man sieht, die Zusammenarbeit zumindest auf Feuerwehrebene macht schon seit vielen Generationen nicht Halt an willkürlich gezogenen Territorialgrenzen.
Bernd Douven |
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